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Ausgezeichnet mit dem Kronenkreuz

Wer ein Vierteljahrhundert lang täglich für andere Menschen da ist, hat eine besondere Anerkennung verdient. Darum ehrt die Diakonie Mitarbeitende, die seit 25 Jahren dort tätig sind, für ihren Dienst am Menschen mit dem Kronenkreuz. Am 30.11.2016 fand diese besondere Würdigung statt.

Die zu ehrenden Mitarbeitenden sowie die Vorsitzende des Aufsichtsrates der Theo-Lorch-Werkstätten, Frau Dr. Dörte Bester, Geschäftsführer Herr Dietrich Vonhoff, Verwaltungsleiter Herr Joachim Knoll und Herr Christoph Dehlinger von der Mitarbeitervertretung kamen im Württemberger Hof zu diesem erfreulichen Anlass zusammen.

Zunächst begrüßte Frau Dr. Bester die Anwesenden mit einem Gedanken zur ersten Adventswoche „Seht auf und erhebt eure Häupter, denn Eure Erlösung naht“. Bei den Mitarbeitenden bedankte sie sich für ihren langjährigen Diakonischen Dienst, in dem sie die Menschen sähen und beachteten, die Hilfe benötigen, und ihnen diese in den vergangenen 25 Jahren gewährten. Dietrich Vonhoff schloss sich an und dankte allen für die geleistete Arbeit bei den Theo-Lorch-Werkstätten.

Nach der Essensbestellung wurde jeder Einzelne geehrt. Den Beginn machte die einzige Dame unter den Mitarbeitenden, Frau Gabriele Rexer. Sie trat am 12.08.1991 als Gruppenleiterin im FuB ein und ist nach dem Start am Standort Bietigheim mit ihrer ganzen Gruppe nach Ludwigsburg umgezogen. Während des Essens erzählte Frau Rexer spannende Geschichten aus dieser Zeit. So hat sie persönlich miterlebt, wie aus einer Tagesstätte, wie die damalige Bezeichnung war, eine Werkstatt für behinderte Menschen wurde. Eine besonders schöne Erinnerung passt in unsere Jahreszeit, denn es geht dabei um einen Riesen-Schneemann. 1996 baute Frau Rexer mit ihrer Gruppe und einer Gruppe aus der Reha-Werkstatt, die wegen Umbauarbeiten kurzzeitig nach Ludwigsburg verlegt worden war, einen sage und schreibe 2,41 Meter hohen Schneemann. Dafür musste man sogar eigens eine Rampe bauen. Auch an ein Unwetter mit Wassereinbruch konnte sie sich erinnern.

Jochen Spahr wurde als Nächster geehrt. Er trat am 1.10.1991 ebenfalls in Bietigheim als Sozialdienst ein und wurde schnell Leiter begleitender Dienste. Bereits im Jahr 2007 erkannten die Theo-Lorch-Werkstätten den Wandel im Betreuungskonzept der Menschen mit Behinderung und besetzten den Posten des Werkstattleiters erstmals durch Herrn Spahr mit einem Pädagogen. Im Zuge der Umstrukturierung kam er 2014 nach Ludwigsburg und wurde dort zum Pädagogischen Gesamtleiter ernannt.

Der nächste Geehrte ist Herr Thomas Emmerling, der bereits seinen Zivildienst bei den Theo-Lorch-Werkstätten geleistet hat. Am 1.11.1991 wurde er Gruppenleiter der Gruppe 435 im Arbeitsbereich der Reha-Werkstatt und nimmt diese Position bis heute ein. Eine Veränderung brachte der Umzug von der Hohenzollernstraße in die Kastanienallee. Auch Herr Emmerling erzählte beim Essen einige Anekdoten. So erinnerte er sich an ein kleines Abenteuer während seines Zivildienstes. Im Frühjahr 1991 fuhr er mit vier anderen Zivildienstleistenden mit einem blauen VW-Bus inklusive Anhänger in die Partnerwerkstatt in Rebesgrün, um dorthin Aufträge von der Kreissparkasse Ludwigsburg zu liefern. Freitags hin, Sonntag zurück und das teilweise über sehr schlechte Straßen, die Feldwegen ähnelten, und über Autobahnen mit Schotter. Highlight war eine Fahrt mit einem Trabbi. Die Werkstatt war in einer Art Baracke untergebracht und die Behinderten mussten über eine Leiter in den Werkstattraum steigen. Später wurde ein neues Gebäude nach dem Vorbild bzw. den Bauplänen von Bietigheim erbaut. Beim Erzählen kam die Idee, mit dieser Werkstatt wieder Kontakt aufzunehmen. Auch über die Bauphase der Kastanienallee hatte er Spannendes zu berichten.

Der nächste Geehrte, Herr Erhard Stahl, betonte gleich, dass auch er durch den Zivildienst in die Pädagogische Richtung „geschubst“ worden sei. Nachdem er bereits für mehrere Diakonische Einrichtungen tätig war, trat er am 1.03.2003 als Leiter Begleitende Dienste in die Reha-Werkstatt ein. Sein Vorstellungsgespräch mit dem damaligen Werkstattleiter ist ihm noch gut in Erinnerung geblieben. In diesem Gespräch kam er wohl nicht oft zu Wort. Alle Anwesenden waren sich dann darin einig, dass dieses Wenige wohl überzeugt hat – denn schließlich habe er die Stelle bekommen. Durch die Umstrukturierung wurde Herr Stahl Pädagogischer Standortleiter der Reha-Werkstatt.

Zu guter Letzt wurde Herr Uwe Wagner nachträglich geehrt. Er hatte sein 25-Jähriges bereits 2015 begangen, denn er startete am 01.02.1990 als Gruppenleiter im Arbeitsbereich in Ludwigsburg. Da der Kreis der Geehrten im vergangenen Jahr aber so klein war, hatte Herr Wagner ein nettes Beisammensein bei Kaffee und Kuchen mit Herrn Vonhoff. Die offizielle Feierlichkeit solle 2016 nachgeholt werden, kam man bei diesem Treffen überein. Dasselbe galt für Herrn Jürgen Peschke, Gruppenleiter der Gruppe 235 im Arbeitsbereich Ludwigsburg, der ebenfalls 2015 sein 25. jähriges erreicht hatte. Leider konnte er nun wegen einer Erkrankung nicht mitfeiern.

Auch Herr Wagner gab eine bemerkenswerte Anekdote aus seiner Anfangszeit zum Besten. In seiner Gruppe gab es damals einen Beschäftigten, der sagen wir einmal eigenwillig reagierte, wenn etwas nicht so lief, wie er das wollte: Er warf dann den kompletten Tisch mit allem, was sich darauf befand, einfach um. Daraufhin hat der Gruppenleiter den Tisch festgeschraubt. Als der Beschäftigte das beim nächsten Versuch bemerkte, hat er stattdessen den Stuhl umgeschmissen. Der Gruppenleiter hat auch diesen verschraubt. Als dann nichts mehr ging, lenkte der Beschäftigte ein mit den Worten: „Peter, jetzt hast Du gewonnen.“ An dieser Geschichte kann man erkennen, wie viele Aufgaben ein Gruppenleiter tagtäglich zu bewältigen hat.

Nachdem Frau Dr. Bester alle Kronenkreuznadeln angesteckt, Herr Vonhoff sich bedankt und Herr Dehlinger von Seiten der Mitarbeitervertretung gratuliert hatte, konnte ausgiebig geschlemmt werden. Alle waren sich einig, wie viel sich seit diesen Anekdoten verändert hat. Eines freilich ist gleichgeblieben: sich auf das Wesentliche zu besinnen – die Betreuung von Menschen mit Behinderung. Jeden nach seinen Möglichkeiten zu fördern und für ihn das richtige Angebot zu finden. Und dankbar dafür zu sein, was man mit dieser Unterstützung für den Betreuten bewirken kann.  

Diese wunderschöne Feier war für mich, die ich erst 11 Jahre dabei bin, sehr interessant. Ich habe viel über die vergangene Zeit und den Wandel seitdem erfahren und behalte diesen Mittag und die nette Gesellschaft in bester Erinnerung.