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BIA und die Farbe Lila

Manche reden über Inklusion – andere leben sie.

So wie die Firma Müller – Die Lila Logistik AG. Der Logistikdienstleister mit 1.600 Mitarbeitenden an über 20 Standorten in Deutschland und Polen hat seinen Stammsitz in Besigheim-Ottmarsheim. Dort hat man sich auch Gedanken gemacht, wie man Inklusion umsetzen könnte und welche Kooperationsmöglichkeiten es geben könnte. Bettina Sigwarth, Personalreferentin bei Müller – Die Lila Logisik und Diana Schieder, Teamleiterin der Theo-Lorch-Werkstätten am Standort Bietigheim, haben bald ein Modell gefunden, von dem alle Seiten profitieren.
Die Firma Müller – Die Lila Logistik richten bei sich einen 'Betriebsintegrierten Arbeitsplatz' [BiA] ein und im Gegenzug haben deren Auszubildende die Möglichkeit, bei den Theo-Lorch-Werkstätten ein zweiwöchiges Sozialpraktikum zu absolvieren. 
Ende Mai war es dann soweit. Teamleiterin Schieder und ihre Kolleginnen Michelle Lutsch und Jessica Benecke hatten einen exakten Plan ausgearbeitet, wann welcher Praktikant in welcher Gruppe mitarbeiten sollte. Insgesamt neun Auszubildende waren bis Ende Juli dann im Wechsel bei den Theo-Lorch-Werkstätten in unterschiedlichen Abteilungen. Sie lernten im Berufsbildungsbereich, im Arbeitsbereich oder bei der Gartenwerkstatt alle Aspekte der Arbeit mit Menschen mit Behinderung kennen. Die Lehrlinge aus dem ersten und zweiten Lehrjahr unterstützten die Beschäftigten im ganz normalen Arbeitsalltag, begleiteten sie zur Essensausgabe oder bei Botengängen, erhielten aber auch Einblick in die Arbeit eines Gruppenleiters.


Aus Schrott wird Arbeit

Während ihrer Zeit bei den Theo-Lorch-Werkstätten haben die Praktikanten auch ein ganz praktisches Projekt zur Umsetzung gebracht: Schrott, den die Praktikanten mitgebracht haben, wurde sortiert und dann wurden dazu verschiedene Sortiervorlagen erstellt. Diese sogenannten Fördervorlagen dienen dazu, Beschäftigte, die nicht mehr oder noch nicht in der Lage sind, einen ganzen Arbeitstag im Arbeitsbereich mitzuarbeiten, trotzdem einzubinden in den Arbeitsprozess. Durch dieses Training mit Arbeiten, die ähnlich zu tatsächlichen Aufträgen ablaufen, bekommen die Beschäftigten das Gefühl, eine richtige Verpackungsarbeit zu haben. Das dient der Stärkung des Selbstwertgefühls und ist gleichzeitig eine Förderung der vorhandenen Fähigkeiten im Bereich der Grob- und Feinmotorik sowie der Konzentration.
Bis heute sind so 60 verschiedene Förderungsvorlagen für die Beschäftigten entstanden, die inzwischen am ganzen Standort Bietigheim zum Einsatz kommen. 
Die ersten Praktikanten sind wieder an ihre Ausbildungsplätze bei der Firma Müller – Die Lila Logistik zurückgekehrt. Ihr Fazit zu den zwei Wochen Sozialpraktikum fiel jedoch durchweg positiv aus. Sie waren selbst überrascht, wie schnell sie ihre Berührungsängste abgelegt haben und wieviel Spaß die Arbeit gemeinsam mit den Beschäftigten gemacht hat. Außerdem haben sie ein besseres Verständnis dafür bekommen, was Menschen mit Behinderung jeden Tag leisten. "Wir würden zu jeder Zeit gerne wiederkommen" war der Tenor. Auch die Gruppenleiter der Theo-Lorch-Werkstätten waren positiv überrascht über die gute Zusammenarbeit und das große Engagement der Praktikanten.

Erster BiA aus dem Berufsbildungsbereich heraus


Heute ist die Kooperation zwischen den Theo-Lorch-Werkstätten und der Firma Müller – Die Lila Logistik bereits weiter gediehen. Zur Zeit arbeitet ein Beschäftigter aus dem Berufsbildungsbereich auf einem sogenannten 'Betriebsintegrierten Arbeitsplatz' [BiA] bei den Logistikern in Ottmarsheim. Ein BiA ist ein Arbeitsplatz, bei dem der Arbeitsvertrag zwar mit den Theo-Lorch-Werkstätten besteht, der Beschäftigte aber direkt in den Betrieb einer anderen Firma integriert wird, sprich dort vor Ort arbeitet. Die Theo-Lorch-Werkstätten begleiten den Beschäftigten und unterstützen die Firma bei allen Fragen und Anforderungen. 
Zum 01. Dezember 2016 wird der Beschäftigte den Berufsbildungsbereich abgeschlossen haben und in den Arbeitsbereich wechseln. Bereits heute ist klar, dass der Arbeitsplatz weiterhin in Ottmarsheim sein wird. Außerdem sind zwei weitere Plätze in Aussicht. So geht Inklusion – in beide Richtungen.