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Läuft bei uns

Dieser Ausdruck aus der Jugendsprache verursachte uns Mitte September ziemlich viel Bauchweh. Denn für unseren Geschmack lief ein wenig zu viel. Vor allem der Regen an den Fenstern herunter. Und wenn man gerade gezwungener Maßen eine Feier im Freien plant, dann ist das Letzte was man braucht, dass es läuft.

Falls Sie sich jetzt wundern, weshalb wir 'gezwungen' waren im Freien zu feiern, obwohl wir doch gerade erst den schönen FuB-Neubau fertig gebaut haben: Manchmal kann zu erfolgreich sein auch schwierig werden. Vielleicht der Reihe nach. 
Nachdem pünktlich zum Einzug der ersten Gruppe des neuen Förder- und Betreuungsbereichs in der Zweigwerkstatt Bottwartal die letzten Bauarbeiten fertig gestellt waren, wollten wir das schöne neue Stockwerk auch denen zeigen, die uns beim Bau so unermüdlich unterstützt haben. Angefangen von den Mitgliedern unseres Trägervereins über das Landratsamt bis hin zu den anderen Organisationen wie Kommunalverband für Jugend und Soziales in Baden-Württemberg [KVJS] und Aktion Mensch, die den Neubau finanziell unterstützt haben. Oder all den netten Gemeinderäten und derem ebenso netten Bürgermeister von Großbottwar. Den Architekten und Ingenieuren, den Mitarbeitenden, die den Bau betreut haben und am aller wichtigsten natürlich denen, für die der Förder- und Betreuungsbereich überhaupt gebaut wurde. Sie sehen, da kommen schnell ein paar Leute zusammen. Und auch wenn der eine oder andere im Urlaub war oder arbeiten musste. Die Leute kommen offensichtlich gerne zu uns – darum sind auch viele unserer Einladung gefolgt. Darüber beschweren wir uns nicht, darüber freuen wir uns immer wieder. Der Haken daran: Für einen Gebäudeteil, der im normalen Alltagsbetrieb 20 Menschen mit mehrfach Körper- und geistiger Behinderung sowie 7 Gruppenleitern Platz bieten soll, waren es dann irgendwann zu viele. Deshalb musste die Feier aus Sicherheitsgründen auf die Terrasse verlegt werden. Aber wie das mit Terrassen nun mal häufig der Fall ist: sie liegen im Freien. Und im Freien gibt’s Wetter. Mal Gutes und mal weniger Gutes. 

Bei der Vorbesprechung herrschten auf der Terrasse gefühlte 60°C und allein die Vorstellung, dort im feinen Zwirn stehen zu müssen, ließ den Schweiß fließen. Beim Aufbau am Tag davor war dann Kontrastprogramm angesagt: Regen, Regen. Regen. Man wusste nicht so recht, was schlimmer war. Hitze oder Nässe.
Entsprechend angespannt war das Vorbereitungsteam, als es am Tag der offiziellen Einweihung aus allen Richtungen gen Großbottwar fuhr. Tja, aber Großbottwar hat uns schon immer freudestrahlend begrüßt. So auch an diesem wichtigen Tag: Strahlender Sonnenschein über der Burg Lichtenberg, die eine wunderschöne Kulisse für das Fest abgab. Da war es dann auch fast schon selbstverständlich, dass das Duo 'Lean' unterhaltsame Musik für jeden machte. Die eigens gegründete Band aus der Zweigwerkstatt Bottwartal ein strahlendes Präludium von Charpentier zur Eröffnung spielte und auch beim Essen jeder zufrieden zugriff. Läuft, das Fest.
Als die Redner ans Mikrofon gingen, gab es aber noch einmal einen Schreckmoment, als schwarze Wolken sich drohend im Westen hinter der Werkstatt aufbauten. Das lag aber mit Sicherheit nicht an den Rednern. Landrat Dr. Rainer Haas griff die Gedanken des Geschäftsführers Dietrich Vonhoff auf, der in seiner Rede darüber philosophierte, was denn Arbeit sei. Der Landrat sponn den Gedanken fort und machte sich stark für eine Gesellschaft, die jedem Platz lässt. Auch Professor Roland Klinger vom KVJS gab ein klares Bekenntnis für die Inklusion ab und betonte, wie wichtig es ist, dass die Werkstätten auch in die Gemeinden hinein gehen und sich vernetzen. 

Bürgermeister Ralf Zimmermann von Großbottwar spielte in seiner Rede auf das Wappentier der Gemeinde an, das er den Theo-Lorch-Werkstätten zur Eröffnung der Zweigwerkstatt 2012 geschenkt hatte. Der Storch sei ja gemeinhin dafür bekannt, dass er für Nachwuchs sorge und mit dem neuen Stockwerk hätten die Theo-Lorch-Werkstätten schönen Nachwuchs bekommen. Auch Pfarrer Frieder Grau, Vorsitzender des Vorstandes des Trägervereins und Werner Bienert Gesamtwerkstattratsvorsitzender lobten das freundliche und helle Gebäude und die Arbeit, mit der alle dazu beigetragen hätten, dass es ein Ort zum Wohlfühlen geworden sei. Zum Schluss ergriff Architekt Helmut Wallmersperger das Wort, der bereits viele Bauten bei den Theo-Lorch-Werkstätten begleitet hat und überreichte gemeinsam mit dem Bauleiter Volker Schmidt einen Schlüssel aus Laugenteig an die Betreuten aus dem FuB.
Und dann gab es noch eine große Premiere: seit März 2015 gibt es bei den Theo-Lorch-Werkstätten eine neue Dienstleistungsgruppe für Service und Hauswirtschaft. Diese Gruppe hatte bei der Einweihungsfeier ihren ersten großen Auftritt. Die fünf Damen und zwei Herren nahmen mit ihrer Gruppenleiterin Maike Walleser vor der Bühne Aufstellung und Andreas Tränkle – einer der beiden Herren – eröffnete das Buffet. Im Anschluss daran lief das Serviceteam mit den verschiedensten Köstlichkeiten herum und boten den Gästen zu Essen oder zu Trinken an, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten.
So gesehen war die Einweihungsfeier wieder eine rundum gelungene Veranstaltung, bei der alle sich wohl gefühlt haben. Dass fünf Minuten nachdem der letzte Gast verabschiedet war, der Dauerregen wieder einsetzte – geschenkt. Läuft bei uns. Egal wie man es verstehen will.