Aktuell

Wort oder Unwort des Jahres?

Zum Jahresende wird immer ein Wort und ein Unwort des Jahres gekürt. Dabei geht es darum, ein Wort zu wählen, das häufig im Gebrauch ist oder unsere Sprache besonders geprägt hat. Wenn ich einen Begriff nennen müsste, der uns im letzten Jahr auf Schritt und Tritt begegnet ist, dann wäre "Inklusion" sicher ganz vorne mit dabei.

Allerdings habe ich für mich noch nicht entschieden, ob nun als Wort oder als Unwort des Jahres. Weshalb ich mich nicht entscheiden kann? Einerseits bin ich froh, dass die Gesellschaft sich mehr damit beschäftigt, wie alle Menschen Teil der Gesellschaft sein können. Andererseits habe ich bei den ganzen Diskussionen, die nun öffentlich in den Medien geführt werden – wer nun welche Schule mit welcher Unterstützung besuchen können und vor allem wer das bezahlen soll – immer das Gefühl, dass dabei die wesentlichen Dinge aus dem Blickfeld geraten. 
Aber kann ich das den Medien oder der Gesellschaft vorwerfen? Die Theo-Lorch-Werkstätten beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit diesem Thema und sind doch auch immer noch Lernende. Der Sozialmarkt verändert sich und wir uns mit ihm. Wir haben schon viel erreicht. Trotzdem gibt es immer noch einen langen Weg für uns zu gehen, bis wir am Ziel sind. 
Die Weihnachtszeit ist darum immer eine gute Zeit, Dinge und Glaubenssätze wieder einmal auf den Prüfstand zu stellen und sich selbst zu hinterfragen. Gute Vorsätze für das neue Jahr zu fassen. Wir haben dieses Jahr für unsere Weihnachtskarte einen Spruch des Seelsorgers Phil Bosmans ausgewählt, den ich für meine Arbeit in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung wie eine kleine Bedienungsanleitung mit in das nächste Jahr nehme:
LEBEN HEIßT: MENSCHEN UND DINGE UMARMEN UND WIEDER 
LOSLASSEN, DASS SIE GRÜNEN UND BLÜHEN VOR GOTTES ANGESICHT.

Ich will im neuen Jahr die Menschen umarmen. Sie damit unterstützen, wo sie Unterstützung brauchen, aber auch lernen loszulassen, damit sie ihre eigenen Stärken entwickeln und ausleben können. Denn nur wenn wir lernen loszulassen, ermöglichen wir ein eigenes selbstbestimmtes Leben. Und nur wer ein selbstbestimmtes Leben hat, kann grünen und blühen vor Gottes Angesicht.
LEBEN HEIßT: DANKBAR SEIN FÜR DAS LICHT UND DIE LIEBE, FÜR DIE
WÄRME UND ZÄRTLICHKEIT, DIE IN MENSCHEN SO EINFACH GEGEBEN SIND.

Ich will im neuen Jahr in der Hektik des Alltags auch einmal innehalten. Dankbar sein für das, was uns von anderen entgegengebracht wird. Sei es ein freundliches Wort, eine nette Geste. Etwas das einfach kommt, ohne dass eine Gegenleistung erwartet wird.
LEBEN HEIßT: ALLES ANSEHEN ALS GOTTES GABE, ALLES SEINE GABE 
SEIN LASSEN, NICHTS UND NIEMAND BESITZEN UND JAUCHZEN ÜBER 
JEDEN STERN, DER VOM HIMMEL FÄLLT.

Ich will im neuen Jahr mehr darauf achten jeden Einzelnen zu akzeptieren, wie er ist. Denn die Gaben, die Gott jedem mitgegeben hat, haben ihren Sinn und sind genau so richtig. Darum will ich mich freuen über jeden, dem ich begegne und die Begegnung wie einen Schatz hüten. Denn jeder ist so einzigartig wie ein Stern. Und Sterne leuchten einem in der Dunkelheit den Weg. 
Vielleicht machen Sie ja mit und nehmen diesen Text auch als Anleitung mit in Ihren Alltag. Dann werden wir am Ende des nächsten Jahres dem Ziel Inklusion wieder etwas näher sein. Wir werden sicher noch nicht am Ziel sein, aber ein gutes Stück weiter und so werden wir uns immer mehr der Gesellschaft nähern, die für alle da ist. Wir müssen nur jeden Tag, ein kleines bisschen dafür tun. Nie aufhören, es zu versuchen. Denn das ist es, was LEBEN HEIßT.

Die Theo-Lorch-Werkstätten danken Ihnen für die Unterstützung im vergangenen Jahr. 
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Christfest und für 2015 Licht, Wärme und Gottes Gaben.

Es grüßt Sie herzlich Ihr


Dietrich Vonhoff, Geschäftsführer