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Rente – was dann?

Für viele Menschen scheint der Ruhestand überraschend zu kommen und sie wissen nicht so recht, was sie dann machen sollen. Das muss nicht sein.


Karin Johannes hat gut lachen, sie weiß schon genau, was sie machen will, wenn sie in Rente  ist.Karin Johannes arbeitet seit 31 Jahren bei den Theo-Lorch-Werkstätten. Für 2019 steht ihr nun ein einschneidendes Erlebnis bevor: mit dann dreiundsechzig Jahren möchte sie in Rente gehen. Die ehemalige Werkstatträtin freut sich auf den neuen Lebensabschnitt und weiß schon genau, was sie in Zukunft machen möchte: 1. Lange ausschlafen, 2. Spazieren gehen, 3. Einkaufen und weil es nicht ohne geht, den Haushalt machen. Außerdem plant sie, wieder Blumenkränze aus Styropor und Stoff zu basteln, wie sie es früher zu Hause gemacht hat.  

So wie Karin Johannes geht es auch dem einen oder anderen Beschäftigten bei den Theo-Lorch-Werk-stätten. Das Thema Rente rückt näher. Aber nicht jeder hat schon so genaue Vorstellungen von dieser Zeit wie Karin Johannes.

Als Vorbereitung gibt es darum ein Fortbildungsangebot beim ABL - Berufliche Bildung sowie jeweils eine Seniorengruppe an den beiden  Standorten Bietigheim und Ludwigsburg.
Das ABL-Angebot findet einmal im Jahr statt und konzentriert sich ausschließlich auf die Zeit nach dem Arbeitsleben. Als Ziel sollen die Teilnehmer am Ende der Schulung drei Freizeitbeschäftigungen nennen können, die sie in der Rente ausprobieren möchten.


So wie die Theaterfruppe Die Lorchis stellt sich Karin Johannes ihren Ruhestand vor: zum Beispiel mit Wandern

Die Seniorengruppen an den Standorten Bietigheim und Ludwigsburg. existieren bereits seit vielen Jahren und treffen sich wöchentlich. Rosi Wolf, Gruppenleiterin der Stütz- und Fördergruppe (StuF), leitet am Standort Bietigheim die Senioren-gruppe. Hier liegt der Schwerpunkt nicht ausschließlich auf dem Thema Rente. Es soll mehr ein „sanftes Hinführen auf den Ruhestand“ sein, zusätzlich beschäftigen sich die Teilnehmer mit allen anderen Themen rund um das Älter werden. Auch die weniger schönen Seiten wie der Tod von nahen Angehörigenund Kollegen, das eigene Sterben oder Demenz werden nicht ausgelassen. Auf der anderen Seite gibt es aber verschiedene Angebote zur Vorbeugung wie Sitzgymnastik, Entspannungsübungen oder Gedächtnistraining.

Besuche im Wohnheim bauen Ängste ab

Inzwischen besteht eine Kooperation mit Wohnheimen in Bietigheim und Ludwigsburg. Die Karlshöhe in Ludwigsburg hat bereits seit vielen Jahren eine Tagesbetreuung für Ruheständler. Bei der Lebenshilfe in Bietigheim befindet sich eine solche Gruppe gerade im Aufbau. Diese Rentnergruppen werden sowohl im Rahmen der ABL-Schulung als auch von den Seniorengruppen des StuF besucht. So können die Beschäftigten sehen, wo und wie ihre ehemaligen Kollegen jetzt den Tag verbringen. Positiver Nebeneffekt der Besuche: Ängste der Beschäftigten werden abgebaut, weil sie in entspannter Atmosphäre den Tagesablauf in der Rentnergruppe der Wohnheime kennenlernen können. Ute Schibisch, Gruppenleiterin des StuF in Ludwigsburg war damit bereits erfolgreich: Ein Beschäftigter aus der Gruppe 5 wollte auf gar keinen Fall in Rente gehen und noch weniger in die Tagesbetreuung auf der Karlshöhe. Ein Besuch bei der Rentnergruppe hat ihn vom Gegenteil überzeugt. „Vielleicht hat dabei auch geholfen, dass an diesem Tag Geburtstag gefeiert wurde mit Kaffee und Kuchen,“ vermutet Schibisch schmunzelnd.

Ausruhen und Zeitunglesen, darauf freuen sich auch viele, die in Rente gehen

Sowohl die wöchentlichen Seniorengruppen als auch die ABL-Schulung erfreuen sich großer Beliebtheit, so dass nicht immer alle Interessenten teilnehmen können. Außerdem ist der demographische Wandel auch bei den Theo-Lorch-Werkstätten ein Thema. Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt bei Menschen mit Behinderung, die 1964 und später geboren wurden, bei 65 Jahren. Personen, die mindestens 20 Jahre in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet haben, können aber – mit Abschlägen – bereits früher in den Ruhe-stand gehen und dann Erwerbsminderungsrente beziehen. Daher sind genaue Zahlen schwierig zu ermitteln. Aus diesen Gründen wurde der Arbeitskreis Senioren ins Leben gerufen. Basierend auf den Erfahrungen aus den Senioren-gruppen soll der Arbeitskreis bis 2020 eine Konzeption entwickeln, wie der Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand möglichst einfach und gut für jeden Einzelnen gestaltet werden kann. Über die Ergebnisse werden wir wieder berichten.

Karin Johannes wird bis dahin wahrscheinlich bereits im Ruhestand sein. Vielleicht ist sie ja dann eine von denen, die sich auf den Besuch aus der Werk-statt im Wohnheim freut. Wobei das für Karin Johannes noch kein Thema ist. Sie hat ein anderes Rezept: „Wenn mir die Kollegen dann fehlen, kann ich sie ja einfach in der Werkstatt besuchen.“ 

Nächstes Jahr ist es für Karin Johannes soweit, dann heißt es 'tschüss Arbeit, hallo Rente'