Aktuell
30.09.2025
Schichtwechsel ganz normal aber anders – Teil I
Seit 2019 ruft die Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Menschen mit Behinderung (BAG WfbM) an einem Tag im September zum sogenannten Schichtwechsel auf: Mitarbeitende von Firmen sollen in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung mitarbeiten, während Menschen mit Behinderung in die Firmen gehen sollen. Ziel ist Inklusion zu fördern und die Perspektive zu wechseln. Die Teilnehmenden sollen sehen, wie es im jeweils anderen Unternehmen ist.
Die Theo-Lorch-Werkstätten sind seit vielen Jahren Partner für die Agentur Mehrwert und deren Aktion Blickwechsel und immer wieder auch Ansprechpartner für Firmen wie die Deutsche Post, Porsche oder Trumpf, wenn es um den Perspektivwechsel geht. Darum war es Geschäftsführer Stefan Wegner wichtig, sich auch an der Aktion der BAG am 25. September zu beteiligen.
Aus organisatorischen Gründen musste die Aktion auf zwei Tage verteilt werden. Teil eins fand am 12. September statt. Insgesamt 23 Mitarbeitende der Mercedes-Benz Management Consulting (MBMC) kamen an die Standorte Bietigheim und Ludwigsburg.
In Bietigheim begrüßte Sven Koch, Leitung Fachbereich Teilhabe Arbeit für die Standorte Bietigheim und Bönnigheim, die 16 hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MBMC. Nach einer kurzen Vorstellung der Theo-Lorch-Werkstätten durch Teamleiter Alexander Schweighoffer und einer Tandemführung von Ralf Hausen, Beschäftigter und Rosi Wolf, Gruppenleiterin, ging es aber auch gleich zur Arbeit: Ein Team von MBMC sollte gemeinsam mit der Gartenwerkstatt den Sinnespfad im Garten wieder neu anlegen während das andere Team am UK-Spieletreff teilgenommen hat.
Währenddessen haben die Kolleginnen und Kollegen von MBMC in Ludwigsburg ebenfalls eine kurze Einführung und Führung durch Sandra Schumm erhalten. Anschließend ging ein Teil der Gruppe in die Malerwerkstatt, während die anderen Teilnehmer im Arbeitsbereich zu Montagearbeiten eingeteilt waren. In der Malerwerkstatt wurde ein mobiler Sinnespfad gebaut.
Wir haben immer wieder Mäuschen gespielt und geschaut, wie sich die einzelnen Gruppen so geschlagen haben.
Am Sinnespfad in Bietigheim wurde erst einmal diskutiert, wie man die Sache angehen sollte. Ein MBMC-Mitarbeiter erklärte lachend “In der Planung sind wir gut – mit der praktischen Umsetzung hapert es manchmal etwas.” Das würden wir so aber nicht unterschreiben: Schnell haben die 7 Männer und Frauen tatkräftig angepackt und unter Anleitung von Teamleiter Nik Heinkelein und den Beschäftigten aus der Gartenwerkstatt den alten überwucherten Pfad freigelegt, die Materialien fein säuberlich getrennt und anschließend neue Begrenzungen aus Holz erstellt. Abschließend gab es noch eine neue Fließunterlage als Sperre gegen Unkraut, bevor die verschiedenen Materialien eingefüllt wurden. Wer morgens den Pfad gesehen hatte, konnte sich nicht vorstellen, dass im Laufe von ein paar Stunden wieder ein ordentlicher Sinnespfad daraus werden würde.
UK-Spieletreff – nur ein Spiel?
Die zweite Gruppe in Bietigheim schien den Jackpot gezogen zu haben – sie durften spielen. Mit der Zeit merkten sie aber, dass es nicht nur darum ging, das Spiel zu gewinnen. Der Hintergrund für den UK-Spieletreff ist eher pädagogisch-therapeutisch: Mit Hilfe der unterschiedlichen Spiele lernen die Beschäftigten und die MBMC Mitarbeitenden verschiedene Symbole kennen. Das ist wichtig für Personen, die sich nicht mit Sprache ausdrücken können. Die Symbolkärtchen unterstützen dabei, dem Gegenüber Wünsche und Gedanken mitzuteilen. Trotzdem war die Freude groß, wenn ein Spiel gewonnen wurde. Am Ende haben alle gewonnen, da sie gelernt haben, dass UK Unterstützte Kommunikation bedeutet und ein wichtiges Hilfsmittel für den Austausch untereinander ist.
Perspektivwechsel: Wenn die anderen die Experten sind.
Im Arbeitsbreich in Ludwigsburg wurden die Mitarbeitenden von MBMC auf verschiedene Arbeitsgruppen verteilt. Mit Schutzkleidung ausgestattet wurden sie von den Beschäftigten der Theo-Lorch-Werkstätten eingewiesen. Vielleicht eine neue Erfahrung für beide Seiten: Unternehmensberatungen sind normalerweise eher die, die anderen sagen wie sie es machen sollen. Hier wurde ihnen aber gesagt, wie die Arbeit auszuführen ist. Die Beschäftigten wiederum waren hier die Experten und konnten erklären oder zeigen, wie die Arbeit richtig gemacht wird und worauf man achten muss, damit das Ergebnis die richtige Qualität hat. So ähnlich war es auch in der Malerwerkstatt: Die Beschäftigten der Theo-Lorch-Werkstätten erklärten den beiden Mitarbeitenden von MBMC, welcher Schritt als nächstes gemacht werden musste und wie es am Ende aussehen soll.
Rundum gelungener Austausch
Am Ende des Tages gab es noch einmal kurze Austauschrunden. Die Theo-Lorch-Werkstätten haben sich sehr über diesen Besuch gefreut, die Mitarbeitenden von MBMC haben viele interessierte Fragen gestellt, sind offen auf die Beschäftigten zugegangen und haben mehr geschafft, als ursprünglich gedacht. Wenn man dem vielen Gelächter bei der Arbeit und den Jubelrufen bei den Spielen glauben darf, dann war es auch für die Mitarbeitenden von Mercedes-Benz Management Consulting ein schöner Tag.






























